Leider genießt Datenschutz bei den meisten Menschen immer noch keine Priorität im gelebten Alltag. Einen besonderen perfiden Beleg für diese Behauptung lässt sich gerade im Zusammenhang mit der Militäroperation von Russland in der Ukraine erkennen.

Aktuell findet man in sozialen Netzwerken und auf Telegram sehr viele sogenannte Selfies von Söldnern, bewaffneten Zivilisten und ukrainischen Soldaten, die vor Gebäuden, Waffensystemen oder Militärfahrzeugen in der Ukraine posen.

Diesen Menschen fehlt leider offenbar jedes Bewusstsein dafür, dass es sehr leicht ist, digitales Bildmaterial auszuwerten, um eine Standortbestimmung vorzunehmen und die erlangten Informationen anschließend ensprechend zu verwenden.

Die einfachste Methode ist die Auswertung der Geo-Tags eines Bildes. Dabei handelt es sich um Metainformationen die bei der Aufnahme eines Fotos direkt in die Bilddatei eingebettet werden.

Die einfachste Möglichkeit, eine Standorterkundung anhand von Selfies zu erschweren, ist das Entfernen von den Geo-Tags in Bilddateien. Sowohl für Android als auch macOS gibt es entsprechende Programme, die den Vorgang stark vereinfachen.

Selbstverständlich schützt diese Möglichkeit nicht vor dem Abgleich mit Bilddatenbanken von Satellitenfotos.

Wenn Sie sich jetzt anfangen zu fragen, inwieweit Sie das Thema betrifft, will ich Ihre Aufmerksamkeit auf Ihre eigenen Selfies lenken.

Genauso wie die Selfies und Fotos von Söldnern, bewaffneten Zivilisten und ukrainischen Soldaten in der Ukraine aktuell ausgewertet werden können, ist es ein Leichtes für Stalker, Betrüger und Kriminelle Ihre, Selfies zu Ihrem Nachteil zu nutzen.

Ich rate Ihnen grundsätzlich davon ab, Selfies vor leicht zu identifizierbaren Gebäuden, Objekten oder Straßen zu machen. Vermeiden Sie es, Teile von Ihrem Haus oder Ihrer Wohnung im Hintergrund zu zeigen, die von der Straße aus einsehbar sind.